1951 legte Diop seine Dissertation an der Universität von Paris vor. Darin entwickelte er die These, dass die alten Ägypter Schwarzafrikaner waren und dass die von ihnen geschaffene Hochkultur eine authentische afrikanische Zivilisation darstellte. Seine These wurde zunächst abgelehnt, doch Diop arbeitete in den folgenden neun Jahren an seiner Dissertation weiter und brachte neue und bessere Beweise. 1960 legte er erfolgreich seine Dissertation vor und ihm wurde der Doktortitel erteilt. 1955 wurde seine These in einem Buch mit dem Titel Nations nègres et culture (Schwarze Nationen und Kultur) veröffentlicht. Dies machte ihn zu einem der umstrittenen Historiker seiner Zeit. Die Beziehungen Ägyptens und Griechenlands stehen im Zentrum seiner Beschäftigung. Demnach waren viele Wissenschaftler Griechenlands, wie beispielsweise Pythagoras, in Ägypten, um Mathematik zu lernen. Pythagoras soll sich 22 Jahre lang in Afrika aufgehalten haben. Die Debatte zwischen Cheikh Anta Diop und seinen ehemaligen Kontrahenten wird mittlerweile in der Black-Athena-Debatte über die Thesen des Briten Martin Bernals weitergeführt, der einen Einfluss Ägyptens auf die Kultur des klassischen Griechenland festgestellt haben will. Die Zivilisationsdebatte führte seiner Meinung nach in Bezug auf den afrikanischen Kontinent viele Wissenschaftler dazu, Afrika als Tabula rasa anzusehen oder die rassistische Hamitentheorie aufzustellen. So hätten die Afrikaner nicht nur stabile Zivilisationen hervorgebracht, sondern beherrschten sehr früh die Technik der Metallgewinnung und Metallverarbeitung und hätten eine fortschrittliche Urbanisierung und Verwaltung entwickelt. Städte wie Benin oder Oyo schickten sogar Studenten und Botschafter nach Portugal. Die Situation hätte sich dramatisch mit der Entdeckung Amerikas und dem Sklavenhandel geändert. Zuerst versklavte man der Forschung nach die Indianer, dann die Europäer selbst, danach die Afrikaner, deren Zivilisationen mit der gegenseitigen Auseinandersetzung um Sklaven und andere Ressourcen nach und nach zerstört wurden. Cheik Anta Diop ist der Begründer der afrozentrischen Ägyptologie. Für ihn haben sich Afrika und Europa nicht zum ersten Mal während der neuzeitlichen europäischen Zeit im 18. Jahrhundert getroffen. Nach ihm ist die Anwesenheit afrikanischer Gelehrter in Europa und in der Geschichte der Kirche schon vorher belegt; man vergleiche beispielsweise Anton Wilhelm Amo. Interview mit Cheikh Anta Diop: Teil 1/8 Teil 2/8 Teil 3/8 Teil 4/8 Teil 5/8 Teil 6/8 Teil 7/8 Teil 8/8 |