Afrika Macht Schule

Weibliche Genitalverstümmelung - Female Genital Mutilation Drucken E-Mail

Workshopinhalt:

 

Das Thema weibliche Genitalverstümmelung umspannt mehrere Dimensionen, die es auf differenzierte Weise zu thematisieren gilt. Die verschiedenen Aspekte gliedern sich insbesondere in medizinische, rechtliche und ethnologische Bereiche. Gerade aufgrund der Brisanz des Themas muss dieses, insbesondere im Umgang mit Betroffenen, sensibel behandelt werden. Es ist jedoch auch darauf zu achten, afrikanische Frauen nicht zu stigmatisieren und davon auszugehen, dass jede unter ihnen der Prozedur unterzogen wurde. Damit einher geht auch der umsichtige Umgang mit entsprechenden Terminologien. Durchgesetzt haben sich international insbesondere die Begriffe Female Genital Mutilation (FGM) und Female Genital Cutting (FGC). Einige der Opfer verstehen sich jedoch keinesfalls als verstümmelt, sondern eben entsprechend der kulturellen Bedeutung der Praktik als beschnitten.

 

Es ist an dieser Stelle jedoch darauf hinzuweisen, dass sich eine derartige Praktik keinesfalls durch das Argument der Tradition rechtfertigen lässt. Selbst wenn man aus kulturrelativistischen Gesichtspunkten bewertet, bleibt die FGM dennoch eine erhebliche Menschenrechtsverletzung. Die Beeinträchtigung der körperlichen und psychischen Unversehrtheit junger Mädchen und Frauen durch die Verstümmelung muss verhindert werden. Auf dem Wege der Aufklärung und unbedingt unter Einbeziehung der betroffenen Gesellschaften, muss ein Verständnis entstehen, dass allen Frauen und Mädchen intakte Genitalien zugesteht. Männer, wie Frauen müssen in entsprechende Kampagnen einbezogen werden, damit rechtliche Regelungen, die es dort wo sie noch nicht existieren zu errichten gilt, greifen können.

 

In Zeiten der Globalisierung und der damit verbundenen und sich ausbreitenden Migration ist das Thema auch in unseren Breitengraden durchaus relevant geworden. Weicht man der Auseinandersetzung mit dem Thema daher mit der Begründung aus, man sei hier ja nicht betroffen, ist dies ganz einfach falsch. Immer mehr junge Mädchen und Frauen, werden auch hier in Deutschland oder während „Heimatbesuchen“ beschnitten und leiden zumeist noch intensiver unter den Folgen, weil sich kaum jemand sachgerecht ihrer Probleme anzunehmen weiß.

Wichtig ist daher schon früh auf das Thema aufmerksam zu machen. Denn einige der Betroffenen werden durch die Unkenntnis in ihren „neuen“ Gesellschaften oft erneut traumatisiert, weil mit ihren Problemen und Bedürfnissen nicht richtig umgegangen werden kann. Insbesondere müssen daher Menschen geschult werden, die in Bereichen arbeiten, die unter Umständen mit betroffenen Frauen in Berührung kommen.

 

Berufliche Gruppen wie die der MedizinerInnen, PsychologInnen, LehrerInnen, SozialarbeiterInnen und andere müssen einen sensiblen und problemkundigen Umgang mit dem Thema und den betroffenen Menschen finden. Generell muss die Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung in allen Gesellschaften und Gesellschaftsgruppen differenziert thematisiert werden. Nur so kann Frauen und Mädchen, sowie ihren Familien geholfen werden, mit den oft gravierenden medizinischen, psychischen und sozialen Folgen der FGM umzugehen.

 

 
< Zurück